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Post Zero: Es muss sich etwas ändern

Stell dir vor du bist ElektrikerIn. Was wirst du tun, wenn du zu wenige Steckdosen im Haus hast?

Eine Frage mit sehr offensichtlicher Antwort.

Eine Geschichte dazu. Persönlich, passend und ein wenig peinlich.

Vor einiger Zeit hatte ich relativ unerwartet eine größere Summe Geld zur Verfügung. Da wir keine größeren Ausgaben geplant hatten, wollte ich als verantwortungsvoller Familienvater machen, was verantwortungsvolle Familienväter in einer solchen Situation tun: Investieren, für die Familie. Langfristig, gut und aufwandsarm.

Es gab nur ein Problem: In was denn investieren? Ich wusste nicht so recht, wie ich das anstellen sollte.

So geht es vielen. Etwas unangenehmer ist daran: Man sollte meinen, ich sollte es wissen.

Ich sollte es doch eigentlich wissen

Ich habe BWL nicht nur studiert und auch noch promoviert. Ich habe zu allem Überfluss auch noch zwei Jahrzehnte in der Finanzbranche verbracht! Nein, nicht in IT oder Buchhaltung. Genau da, wo ‚Geldanlegen‘ passiert.

Sollte ich jetzt nicht eher gutmütig lächelnd die weißen Hemdärmel hochkrempeln, Stift und Taschenrechner zücken und laut rufen: „Altersvorsorge? Das ham‘ wir gleich“.

Der große Elektriker der Finanzen – aus meinem geistigen Munde kam nicht recht viel mehr als ein langgezogenes ‚Ööhh…‘.

Kein schönes Gefühl.

Um meine Ehre zu retten: es ist nicht so, dass ich nicht gewohnt war, mit eigenem Geld an Finanzmärkten zu agieren. Im Gegenteil. Handelsbegeisteter war ich immer. Meine ersten Gehversuche habe ich um die Jahrtausendwende am Neuen Markt gemacht. In kurzer Zeit viel Geld verdient – und ab März 2000 mindestens genauso viel verloren. Ich habe über die Jahre eine Vorliebe für den Handel mit Optionen entwickelt. Ich habe exzessive Erfahrung mit kurzfristigen Optionsstrategien, zum Beispiel um Gewinnankündigungstermine von US-Unternehmen herum. Und als Stillhalter in allen Facetten. Ich liebe Optionen. Das geht soweit, dass ich ein eigenes Datenportal für Options-Trader aufgebaut habe.

Der Unterschied: das ist alles kurzfristig. Die Haltedauer solcher Positionen ist selten länger als ein paar Wochen. Früher galt für mich: langfristig = langweilig. Und nun stand ich überfordert vor der Aufgabe, mein eigenes Geld genau so anzulegen: schnöde langfristig.

Langfristig geht einfach anders. Wer sein Geld so anlegt, hat in der Regel kein Interessen, laufend viel Zeit in seine Anlagen zu stecken. Er oder sie will nicht ständig irgendwas am Markt beobachten und auf irgendwelche Trigger reagieren. Langfristige Anlagen müssen pflegeleicht, zeitsparend und regelbasiert sein. Und unabhängig von Marktphasen. Für die meisten Menschen sind sie auch kein Lebenszweck, sondern einfach nur notwendig.

Populäre Strategien reißen es nicht

Es war nicht so, dass ich keine Ideen gehabt hätte. Natürlich waren da auch die bekannteren dabei, wie z.B. das Weltportfolio mit einem MSCI World-ETF, das man im Internet quasi an jeder Straßenecke gepredigt bekommt. Oder verschiedene Faktorstrategien.

Nur: Keine einzige fand ich für mich selbst sinnvoll und investierenswert. Keiner einzigen wollte ich Geld anvertrauen von dessen Existenz ich im Alter selbst abhängig sein werde.

Warum? Weil es für jede einzelne dieser Strategien gute Argumente gibt, warum sie für langfristiges Sparen für das Alter eben nicht die beste Wahl sind. Ich will beispielsweise nicht im schlimmeren Falle 15 Jahre warten müssen, bis ich meinen Einsatz wieder rausbekomme – vor Einrechnen des Kraufkraftverlustes.

Das einzige was ich wusste: ich wollte nicht alles so machen, wie alle anderen. An den Finanzmärkten ist es selten ein guter Rat, alles so zu machen wie alle anderen.

Etwas musste sich ändern

Da war also tatsächlich ein Problem. Auch wenn es ein süßes war.

Ich musste etwas ändern.

Also habe ich angefangen mir Zeit zu nehmen und zu überlegen, wie ein langfristiges Anlagekonzept nach allen Regeln der Kunst denn nun aussehen könnte. Etwas, mit dem auch ich mich als krisendurchlebter und tendenziell vorsichtiger Anleger wohl fühle. Etwas, in das ich selbst mit gutem Gefühl für die nächsten 100 Jahre investieren möchte.

Das klappt nur wenn die Idee hinter der Strategie verständlich und möglichst einfach ist. Nur wer versteht, was er tut, kann seinem Tun vertrauen. Vertrauen ist Voraussetzung für erfolgreiches Investieren. Es schützt vor dem größten und teuersten Fehler, den man als InvestorIn überhaupt nur machen kann: verkaufen wenn der Markt ganz unten ist.

In diesem Blog möchte ich meine Gedanken und Erkenntnisse festhalten.

Meine eigenen Learnings sollen dir helfen bei deiner eigenen Anlage selbst bessere und ordentlich begründete Entscheidungen zu treffen. Ich will – wo möglich – mit meinem Wissen eine Brücke schlagen und praktisch brauchbare Erkenntnisse aus der Kapitalmarktforschung für uns ‚einfache‘ Privatanleger anwendbar machen.

Wenn dich beispielsweise interessiert, warum manche populäre Konzepte vielleicht doch nicht so gut sind, wie sie scheinen und andere eher unbekannte dagegen ziemlich spannend sein können, folge diesem Blog.

Nicht alle Themen werden für Neueinsteiger geeignet und leicht verdaulich sein. Albert Einstein hat (angeblich) gesagt: Was du einem Sechsjährigen nicht erklären kannst, hast du selbst nicht verstanden. Dieser Spruch war eine der Inspirationen zu Papa & Paul. Dennoch weiß ich nicht, ob das wirklich immer so gilt. Ich weiß aber, dass du dich mit Finanzthemen und besonders Geldanlage auseinanderssetzen musst, wenn du ein selbstbestimmtes und selbstermächtigtes Leben führen möchtest. Um dich zurecht zu finden musst du es bis zu einem gewissen Punkt selbst können.

Denn es ist leider immer noch so, dass Teile der Retail-Finanzindustrie das Nichtwissen von Privatanlegern schamlos ausnutzen. Nicht alle, aber viele. Warum sonst stemmt sie sich mit schlechten Argumenten so vehement gegen ein drohendes Verbot der Provisionsberatung, die nachgewiesener Maßen falsche Anreize in der Beratung setzt?

Und leider ist es immer noch so, dass vielen Menschen Grundlagenwissen fehlt. Ich habe selbst tragische Fälle gesehen, bei denen frühe Fehlentscheidungen zu fatalen Folgen führen.

Das ist das Zweite, das sich ändern muss.

Dafür möchten Papa & Paul einen Beitrag leisten.

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