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So findest du den richtigen Broker

Wenn du in Wertpapiere investieren möchtest, brauchst du ein Depot bei einem Broker.

In diesem Artikel erfährst du, welche Arten von Brokern es gibt und was du aus unserer Sicht bei der Wahl beachten solltest.

Was ist ein Broker und wofür brauche ich ihn?

Einen Broker brauchst du für drei Dinge:

  1. Für das Führen deines Depots
    Ähnlich, wie du ein Konto zum Überweisen brauchst, benötigst du ein Depot bei einem Broker, um Wertpapiere handeln und halten zu können. Ein Depot ist der zentrale Aufbewahrungsort für alle Wertpapiere in deinem Eigentum. Genau wie dein Konto führt der Broker es in deinem Namen.
  2. Zugang zu Handelsplätzen
    Wenn du etwa ein paar SAP-Aktien kaufen möchtest, kannst du nicht einfach mal kurz bei der Börse Frankfurt anrufen und welche bestellen. Sondern dafür erteilst du eine Order bei eben deinem Broker. Der ist entweder selbst direkt als Händler an einem Handelsplatz zugelassen und elektronisch angebunden oder er nutzt das Handelssystem eines anderen Hauses. Dadurch kannst du bequem per Mausklick oder Fingertipp deine Orders absetzen.
  3. Abrechnung und Verbuchung
    Nach der Ausführung deiner Order muss alles verbucht werden: Der Broker rechnet deine Geschäfte ab, bucht dir deinen Kauf in dein Depot ein und belastet den Gegenwert dem Verrechnungskonto. Broker in Deutschland sind dazu verpflichtet, Steuern einzubehalten und dir eine Jahressteuerbescheinigung auszustellen.

Das ist ein wenig wie wenn du auf dem Wochenmarkt einen persönlichen Assistenten dabei hättest: Der Broker ist dein treuer Begleiter, der all die Dinge, die du kaufst, für dich in seinem Rucksack verstaut (das Depot), die Einkäufe mit dem Geld bezahlt, dass du ihm dafür gegeben hast (Verrechnungskonto) und alles sauber abrechnet – und leider auch die Steuern einbehält.

Welche Arten von Brokern gibt es

Grob kannst du alle Anbieter in folgende Typen einsortieren. Die wichtigsten Unterschiede gibt es bei den Kosten und bei der Einfachheit der Benutzung

Filialbanken

Das ist die klassische Hausbank wie etwa die lokale Sparkasse, die neben den traditionellen Bankdienstleistungen eben auch ein Depot anbietet. Funktioniert. In den meisten Fällen sind die Kosten allerdings immer noch so hoch, dass sich das nicht rentiert. Dort handeln ist ungefähr so, wie wenn du dein Mittagessen jeden Tag mit dem Taxi nach Hause kommen lässt. Manche Filialbanken bieten mittlerweile auch reine Online-Depots an. Die sind etwas günstiger.

Einige Filialbanken führen ihre ‚Beratung‘ als schlagendes Argument für die hohen Kosten an. Diese Art der ‚Beratung‘ ist über die letzten Jahrzehnte immer mehr in Verruf gekommen. Und das wohl zurecht. Fakt ist: Bei der klassischen Beratung sitzen dir Produktverkäufer:innen gegenüber, die nur etwas verdienen, wenn sie dir etwas verkaufen. Entsprechend haben sie nicht unbedingt einen Anreiz, dich gut und zu deinem Vorteil zu beraten. Eine solche ‚Beratung‘ ist in Wirklichkeit immer ein Verkaufsgespräch.

Direktbanken

Direktbanken oder Online-Banken, wie z.B. die ING-DiBa, Consors oder comdirect, betreiben keine eigenen Filialen, bieten neben Brokerage aber auch noch klassische Bankendienstleistungen an. Du kannst dort also auch dein Gehaltskonto führen, Überweisungen des täglichen Lebens machen etc. Dazu ist ihr Kundenservice meist gut ausgebaut und leicht erreichbar.

Online-Broker

Oft auch genannt Neo-Broker. Vorwiegend junge Firmen wie Scalable Capital, Trade Republic oder Smartbroker, die außer dem Wertpapiergeschäft nichts weiter anbieten. Sie haben häufig nicht einmal eine eigene Banklizenz, d.h. dein Geld liegt auf einem Konto einer kooperierenden Bank. Sie haben in der Regel die günstigsten Konditionen und die einfachste Bedienung. Soweit du internetaffin bist, noch ein separates Girokonto hast und nicht unbedingt eine Beratung brauchst, solltest du dich auf jeden Fall dort umsehen.

Was ist bei der Wahl des Brokers wirklich wichtig?

1. Wo wird der Broker reguliert

Die Regulierung ist dein Freund. Sie stellt unter anderem sicher, dass die Abwicklungsprozesse beim Broker zuverlässig funktionieren, dass dein Geld sicher verwahrt wird und der Anbieter selbst keine unerlaubten Geschäfte damit macht. Regulierung ist für dich auch wichtig, wenn es mal zum Streit mit deinem Broker kommt. Dann gibt es bei den regulierenden Behörden meist eine Streitschlichtungsstelle oder ähnliche Anlaufstelle, an die du dich wenden kannst.

Für Lizenzierung und Kontrolle ist immer die Aufsichtsbehörde des Landes zuständig, in dem der Broker seinen Sitz hat. Für Deutschland ist das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Nicht alle Länder haben dieselben Standards. Europäisches Recht garantiert aber eine bestimmte Harmonisierung.

Gut ist deshalb: solange du dir hier in Deutschland einen der größeren und bekannteren Namen aussuchst, der in einem EU-Land zugelassen ist, kannst du einigermaßen sicher sein, dass du nicht einem komplett unseriösen Anbieter auf den Leim gegangen bist.

Hast du ein Depot bei einem ausländischen Anbieter und damit Ärger, findest du hier eine Liste der ausländischen Aufsichtsbehörden. An die kannst du dich eventuell wenden.

2. Schutz im Fall einer Pleite

Pleiten von Geldinstituten sind gar nicht so selten. In Deutschland gab es seit 2000 über 40 Insolvenzfälle. Geht ein Broker pleite, ist das meist weniger schlimm, als man im ersten Augenblick denkt. Grundsätzlich gilt:

  • Alles, was du im Depot hältst, ist in der Regel ‚Sondervermögen‘ und fällt nicht in die Konkursmasse. Im Pleitefall hast du entsprechend das Recht, den Inhalt deines Depots einfach zu einem anderen Anbieter umbuchen. Das kann allerdings dauern und nervenzehrend sein. In dieser Zeit kannst du nämlich nichts davon handeln (Achtung: Von dem pleitegegangenen Anbieter selbst herausgegebene Papiere, also etwa seine Anleihen, aber auch Zertifikate, Optionsschein o.ä. fallen sehr wohl in die Konkursmasse und sind im schlimmsten Fall wertlos – da hilft es dann auch herzlich wenig, dass du sie zu einem anderen Anbieter umbuchen kannst).
  • Für alle Geldbestände – Saldo auf dem Verrechnungskonto, Tages- und Festgeld – springt nach europäischem Recht die Einlagensicherung des jeweiligen Herkunftslandes ein. Für Cortal Consors wäre das also das französische Sicherungssystem. Und das sogar innerhalb von wenigen Tagen. Allerdings ersetzt sie nur Vermögensschäden bis 100.000 EUR. Für Beträge darüber hinaus haben sich Anbieter zu privaten Sicherungsgemeinschaften zusammengeschlossen, wie die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken für die privaten Banken.

Ob du dich im Einzelfall immer auf die Einlagensicherung verlassen kannst, wird sich erst im jeweiligen Fall zeigen. Im Fall der Kaupthing-Pleite 2008 sah es zum Beispiel zunächst so aus, als ob die Anleger leer ausgehen würden. Denn der isländische Staat steckte damals wegen der Finanzkrise selbst in richtig großen Schwierigkeiten und hatte angekündigt, nichts übernehmen zu können. Erst Kredite anderer Länder haben eine Entschädigung am Ende doch ermöglicht. In jedem Fall ist es eine gute Idee, nicht mehr als 100.000 EUR pro Kunde und Bank auf dem Konto herumliegen zu lassen und im Zweifel einem Anbieter aus einem wirtschaftsstärkeren EU-Land den Vorzug zu geben.

Bevor du ein Depot eröffnest, mach dir bewusst, welcher Entschädigungseinrichtung der Anbieter angehört. Der jeweilige Kandidat muss dir dazu Informationen geben. Besser ist es, das selbst nachzurecherchieren. Bei deutschen Anbietern ist das ‚Einlagensicherungsportal‘ dafür eine gute Hilfe. Du kannst dort einzelne Anbieter nachschlagen. Ausländische Entschädigungseinrichtungen sind dort allerdings nicht aufgeführt.

3. Kosten

Die einzige Möglichkeit, deine Rendite nachhaltig zu steigern, ohne mehr Risiko einzugehen, besteht darin, deine Kosten zu senken. Die Kosten verdienen deshalb deine volle Aufmerksamkeit. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind groß. Als Faustregel gilt: Depots bei Filialbanken sind meist deutlich teurer als bei reinen Online-Häusern und Neo-Brokern. Es ist schon spannend: Ich habe beim Recherchieren Filialbanken gefunden, die tatsächlich noch exakt die gleichen Preise verlangen, wie sie vor 20 Jahren üblich waren. Dort handeln ist ungefähr so, wie wenn du dir dein Mittagessen täglich mit dem Taxi liefern lässt.

Das gilt noch einmal mehr in aktuellen Zeiten, in denen wir uns auf tendenziell eher geringere Renditen einstellen müssen. Jeder viertel Prozentpunkt gesparte Gebühren hat dann auf den gesamten Ertrag in EUR gerechnet einen höheren absoluten Anteil.

Bei Online-Brokern ist der kostenfreie Sparplan mittlerweile Standard. Auch bei der Orderausführung bewegen sich die Gebühren Richtung null oder sind schon dort angekommen. Depotgebühren – also Kosten rein für das Halten eines Depots – erhebt mittlerweile so gut wie niemand mehr, nur einige Sparkassen habe ich gefunden.

Um einen auf dich zugeschnittenen Vergleich der Anbieter kommst du nicht herum, die Gebührenmodelle sind meist sehr unterschiedlich aufgebaut und abhängig davon, wie viel und wie oft du handelst. Die oft ziemlich pauschal gehaltene Brokervergleiche im Internet helfen nur eingeschränkt, denn sie berücksichtigen deine persönliche Situation nicht ausreichend. Spannend finde ich deshalb etwa den Vergleichsrechner von FMH, mit dem du die Kriterien deiner individuellen Situation anpassen kannst. Jeder Anbieter muss darüber hinaus ein ‚Preis- und Leistungsverzeichnis‘ veröffentlichen, in dem alle Kosten aufgeführt werden müssen.

4. Breite Palette an handelbaren Produkten

Je mehr, desto besser. Das ist beim Broker nicht anders als beim Frühstücksbuffet im Hotel. Je breiter die angebotene Palette von Produkten, umso mehr Möglichkeiten hast du und kannst auch ausgefallenere Investmentideen umsetzen. Informationen dazu findest du auf der Webseite der Anbieter oder in den meisten aktuellen Brokervergleichen im Internet.

6. Sparplan

Die meisten von uns werden monatlich etwas von ihren laufenden Einnahmen ansparen und anlegen wollen. Das geht ganze einfach mittels eines Sparplans – wenn ihn der Broker anbietet. Wenn du einen Sparplan eingerichtet hast, kauft der Broker automatisch ohne dein Zutun z.B. jeden Monat für eine feste Summe von dir vorher festgelegte ETFs. Willst du das machen, achte also darauf, dass ihn der Broker deines Vertrauens anbietet, am besten kostenlos. Das ist bei den Online-Brokern mittlerweile Standard.

5. Qualität der Ausführung

Gemeint ist damit, wie gut die Preise sind, die du bei der Ausführung deiner Orders im Schnitt bekommst.
Mach dich hier nicht verrückt. Natürlich schlägt sich die Preisgüte direkt in deiner Rendite nieder. Es gibt auch durchaus Unterschiede zwischen einzelnen Anbietern. Für unsere Zwecke als langfristige Investoren, mit eher langen Haltezeiten und wenigen Orders, sind die Unterschiede in der Regel aber viel zu klein, um ins Gewicht zu fallen.

Gut zu wissen ist dennoch Folgendes:

  • Die Ausführungsgüte hängt entscheidend davon ab, wie lange es dauert, bis deine Order am Marktplatz angekommen und aktiv ist. Je mehr Zeit vergeht, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass du nicht mehr den Kurs bekommst, der beim Abschicken der Order aktuell war. Die Ausführungsgeschwindigkeit wird vor allem von Alter und Güte der Brokersysteme beeinflusst, und ober der Anbieter einen direkten Marktzugang hat, oder deine Order über die Systeme anderer Häuser routet.
  • Schließlich kann es – je nach gehandeltem Papier – auch deutliche Preisunterschiede zwischen den einzelnen Handelsplätzen geben. Grundsätzlich gilt, dass die Preise an den alternativen Handelsplätzen (Gettex, Quotrix, oder der privaten Lang und Schwarz Exchange) immer mindestens so gut sein müssen, wie an den regulierten Börsen wie Xetra, dem elektronischen Handelssystem der Börse Frankfurt. In diese Richtung gibt es wohl auch wenig zu mäkeln, wie einzelne Studien zeigen. Allerdings gilt das natürlich nicht für die Zeit außerhalb der Öffnungszeiten der regulierten Börsen (9 h bis 17:30 h). Besonders bei weniger stark gehandelten Papieren kannst du dann beobachten, wie die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen auseinandergehen. Versuche deshalb alle deine Transaktionen unbedingt während der normalen Börsenöffnungszeiten zwischen 9 h und 17:30 h zu machen. Eine gute Quelle, um die Preise eines Papiers an unterschiedlichen Handelsplätzen in Echtzeit zu sehen, ist zum Beispiel https://finanztreff.de.

Mach dir aber eben erst dann darüber Gedanken, wenn du intensiver und kurzfristiger handelst, dich also zum Beispiel am Day-Trading versuchst oder komplexe Optionspositionen aus mehreren Einzeltrades handeln möchtest. Da musst du aber wirklich wissen, was du tust. Das ist für die meisten Privatinvestoren zu speziell.

Insgesamt ist es schwer, an verlässliche Daten zur Ausführungsgüte einzelner Häuser in Deutschland zu kommen. Es gibt zwar viele Broker-Reviews, aber – anders als etwa in den USA – enthalten die wenig belastbare Angaben zur Ausführungsgüte.

Was noch wichtig ist

Folgendes sollte dir bewusst sein: Egal welches Preismodell du bei einem Anbieter nutzt, Broker verdienen Geld, wenn du viel tradest. Das ist durch die Praxis des Payment for Orderflow sogar so, wenn du für das Trading – vordergründig – gar nichts bezahlst. Sie haben deshalb immer einen Anreiz, dir das Traden leicht und schmackhaft zu machen, damit du möglichst viel kaufst und verkaufst. Denn dann verdient auch der Broker. Einige Häuser gehen damit sehr zurückhaltend um, andere deutlich aggressiver. Die letzteren findet man vor allem bei den eher neuen Anbietern.

‚Gamifizierung‘ ist dafür ein wichtiges Mittel zum Zweck: wenn dir das Handeln so vorkommt, wie ein cooles, spannendes Computerspiel, wenn am Schirm die Konfetti regnen, sobald deine Order abgeschickt ist, wenn du bei der Depoteröffnung metallisch funkelnde Kreditkarten bekommst und du für jeden Trade Punkte sammelst, die du in später in tolle Prämien und die am meisten gehypten Aktien eintauschen kannst, solltest du vielleicht mal kurz innehalten und dir bewusst machen, was da eigentlich gerade abläuft. Und was es mit dir macht: Wir wissen aus der Forschung, dass solche Reize das Belohnungssystem in deinem Gehirn stimulieren und dich im Extremfall regelrecht süchtig machen können. Du erlebst Traden als angenehm und belohnend – und willst mehr. Das ist für seriöse, langfristige Geldanlage aber nicht unbedingt ein gutes Ziel. Sei dir dessen bewusst und lass dich nicht zu unüberlegtem Trades verleiten. Spielen ist super. Aber mach das vielleicht lieber beim Sport oder mit deinen Kids, und nicht bei der Vermögensbildung.

Fazit

In den letzten Jahren sind die Gebühren am Brokermarkt richtig ins Rutschen gekommen. Es herrscht steifer Wettbewerb und die Alteingesessenen werden von der jungen Generation Broker ordentlich herausgefordert. Für uns Privatanleger ist das super. Dadurch hast du aber auch die Qual der Wahl, es gibt kein ‚One size fits all‘ und du musst dich ein wenig damit beschäftigen. Brokerwahl muss sich an den persönlichen Umständen orientieren. Wir haben dir dafür ein paar Kriterien mit auf den Weg gegeben.

Ich persönlich habe Depots bei Scalable Capital, flatex und bei Interactive Brokers und bin damit zufrieden.

Wie ist das mit dir? Gibt es noch andere Punkte, die du wichtig findest bei der Wahl des Brokers? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

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