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Wie viel Geld brauchst du zum Geldanlegen?

Einer der häufigsten Fragen von Menschen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema Geldanlage beschäftigen, ist: ‚Für mein bisschen Geld, lohnt sich das denn überhaupt?‘.

Wie viel Geld solltest du mindestens haben, damit sich der Aufwand rentiert? In diesem Artikel widmen wir uns dieser Frage und schauen uns an, was beim Geldanlegen noch viel wichtiger ist als der absolute Anlagebetrag.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es rentiert sich fast bei jedem Betrag sich Gedanken über eine Anlage zu machen. Einen Mindestbetrag, unter dem du gar nicht anfangen brauchst, gibt es mittlerweile nicht mehr.

Früher war das anders. Da war es wegen der teils horrenden Gebühren unmöglich, geringe Beträge erfolgreich zu vermehren. In den letzten Jahren sind diese Gebühren wegen der zunehmenden Konkurrenz aber ordentlich ins Rutschen gekommen – ganz zur Freude von uns Privatanlegern. Bei den meisten Brokern kannst du auch Kleinstbeträge mittlerweile sehr kostengünstig anlegen. Oft werden auf monatliche Einzahlungen gar keine Gebühren mehr erhoben. Also ran an die Buletten.

Trotzdem winken viele Menschen ab. Zum einen, weil sie meinen, dass sich das alles nicht lohnt, weil die Beträge, die sie mit ihrem Ersparten verdienen können, absolut gesehen so gering sind, dass sie sich im Jahr ja nicht einmal ein gutes Essen davon leisten könnten. Zum anderen, weil sie den Aufwand scheuen. Besonders Freelancer:innen, die pro Stunde bezahlt werden, vergleichen gerne einen möglichen Gewinn mit dem dafür vermeintlich nötigen Zeitaufwand und kommen schnell zu dem Schluss, dass es sich für sie einfach nicht lohnt, sich selbst um Geldanlegen zu kümmern.

Was all diese Menschen dabei vergessen: Harte Euros sind nicht der einzige Gewinn, mit dem du belohnt wirst, wenn du die auf die Reise begibst. Glaub mir, ich erlebe immer wieder bei anderen, wie unglaublich ermächtigend es sich anfühlt, wenn sie auf einmal die Kontrolle haben und wissen, was sie tun beim Investieren. Selbst wenn du nur ein paar Euros verdienst: allein das Wissen und die Routine, die du dadurch bekommst, sind unglaublich wertvoll und den Aufwand wert. Weil ich das so ein wichtiges Thema finde, habe ich einen eigenen Artikel dazu verfasst. Wenn du mehr über persönliche Ermächtigung durch Finanzen erfahren und dich inspirieren lassen möchtest, schau unbedingt dort hinein.

Auch das berühmte Kleinvieh macht auf Dauer ganz schön viel Mist. Dafür ist ein Sparplan ideal. Mit so einem Sparplan weißt du deinen Broker an, jeden Monat eine bestimmte Summe von deinem Konto zu nehmen und dafür vorher festgelegte ETFs oder andere Wertpapiere zu kaufen. Damit bezahlst du Monat für Monat quasi zunächst einmal dich selbst, kümmerst dich um deine Altersvorsorge und tust deinem späteren Ich genüge. Und du ermöglichst, dass sich auch kleinere Beträge über die Zeit aufsummieren können. Der Zinseszins tut sein Übriges.

Nun gibt allerdings noch etwas viieeel wichtigeres, als die Frage nach dem wie viel: Stell sicher, dass du das eingezahlte Geld nicht zu einem späteren Zeitpunkt für andere Ausgaben brauchst.

Geld, dass du anlegst, solltest du angelegt lassen

Für die langfristige Rendite sehr schädlich sind Szenarien wie diese: Du setzt im Januar stolz deinen ersten monatlichen ETF-Sparplan für deine Altersvorsorge auf und merkst im Juni, dass jetzt ja gar nicht mehr genügend Geld für die geplante Südamerikareise im September da ist.

Geld, das du einmal für den Vermögensaufbau zur Seite gelegt hast, solltest du möglichst lange für dich arbeiten lassen.

Warum ist das so wichtig? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens sorgt der Zinseszinseffekt dafür, dass dein Vermögen überproportional immer stärker wächst, je länger du es anlegst. ‚Zeit ist Geld‘ hat selten eine so wörtliche Bedeutung wie bei der Geldanlage.

Zweitens gibt es auch in der besten Anlagestrategie Zeiten, in denen es einfach nicht läuft und deine Investitionen ordentlich unter Wasser sind. Wenn du deine Anlagen genau dann auflösen musst, ist das tragisch und bitter. Mehr Details dazu in meinem übernächsten Einsteiger-Artikel ‚Zeit‘.

Drittens, ein weicher, aber wichtiger Faktor: Du hintergehst deine eigene Entscheidung und schwächst deine Willenskraft. Die ist bei der Geldanlage in Eigenregie wichtiger als bei Bankprodukten. Möchtest du bei einem Bankprodukt vor Fälligkeit an dein Geld, musst du oft horrende ‚Vorfälligkeitsentschädigungen‘ an die Bank zahlen (dass das Geld zu jedem Zeitpunkt dein eigenes Geld ist, hält sie davon nicht ab). Das ist ein sehr stark motivierender Faktor, dass du dein Geld in Ruhe lässt.

Anders ist das bei der Geldanlage in Eigenregie. Denn hier hast du die Kontrolle. Du bist völlig frei, niemand schreibt dir vor, wie viel du wie lange in was investierst. Freiheit bedeutet jedoch immer auch Verantwortung. Du allein bist es also jetzt, der sich selbst die Leitplanken setzen muss, wenn du langfristig erfolgreich durchziehen möchtest.

Ich selbst stelle mir dazu immer mein späteres Ich in 20 Jahren vor, wie es mich wohl ansieht, wenn ich das oder jenes jetzt mache.

Darum brauchst du einen Überblick über deine Finanzen

Damit ist klar: damit so etwas wie mit der Südamerikareise nicht passiert, brauchst du als allererstes einen grundsätzlichen Plan bei deinen Finanzen. Ohne geht es einfach nicht.

Der erste Schritt – noch bevor du überlegst, wie du anlegst – ist zu verstehen, wie viel du überhaupt regelmäßig anlegen kannst, ohne in Schwierigkeiten zu kommen. Dafür brauchst du eine grundsätzliche Vorstellung, wie viel du im Monat einnimmst, wie viel du ausgibst und was du entsprechend pro Monat realistischerweise auf die virtuelle hohe Kante legen kannst, ohne dass dir am Ende des Monats Geld für deinen Haushalt fehlt.

Das musst du sicher nicht übertreiben. Im Prinzip reicht dafür ein Zettel Papier, mit dem du deine Kontoumsätze der letzten paar Monate mal durchgehst und dir die Summen notierst. Es gibt mittlerweile auch eine ganze Reihe an Apps, die dir dabei helfen. Nicht vergessen solltest du seltene, aber abzusehende Ausgaben: Urlaub, neues Auto etc.

Das machen wir tatsächlich auch selbst. Zugegeben, etwas auf die freakige Art: Wir verwenden seit einiger Zeit den Finanzmanager von Lexware und kategorisieren damit unsere Einnahmen und Ausgaben. Echte Freudentränen kamen bei meiner Frau deshalb bisher noch nicht auf. Aber wenn die Kategorien mal eingerichtet sind, geht es ziemlich schnell. Denn alle Kontoumsätze werden automatisch abgeholt. Wir brauchen mittlerweile kaum mehr als 15 Minuten pro Woche. Der große Vorteil dabei ist, dass du deine Finanzen wirklich unter Kontrolle hast und ganz genau siehst, wo wie viel hingeht (glaub mir, da gab es schon eine Menge Überraschungen).

Ich muss jedoch auch sagen: Es ist nicht so, dass ich den Finanzmanager richtig gut finde. Ich kenne keine richtig gute App dafür. Aber von allen ausprobierten Apps war das für die Auswertungen flexibelste und aus meiner Sicht am wenigsten schlechte Lösung.

Der Notgroschen

Vom Notgroschen hast du sicher auch schon gehört. Damit du auch bei unvorhergesehenen Ausgaben oder wegfallenden Einnahmen flüssig bleibst und nicht sofort an dein langfristig Angespartes musst, ist es ratsam, sich einen Notgroschen anzulegen. Diesen legst du NICHT mit deinen langfristigen Anlagen zusammen, sondern lässt ihn – aller Inflation und niedrigen Zinsen zum Trotz – auf einem Tagesgeldkonto, auf das du in kürzester Zeit Zugriff hast. Das ist entscheidend. An den Notgroschen müssen wir jederzeit ganz schnell rankommen. Dafür sind wir bereit, auf Rendite zu verzichten.

Der sollte in etwa so groß sein, dass du drei Monate an regulären Ausgaben (ohne Urlaub) damit abdecken kannst.

Alles hängt zusammen

Dieser Notgroschen ist noch für etwas anderes wichtig, was vielen nicht bewusst ist:

Vor allem die Aktien in deinem Depot werden nicht gut laufen, wenn die Gesamtwirtschaft überraschend schlecht läuft. Vor allem bei Selbstständigen, aber auch bei Angestellten, ist das Einkommen an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt. Wenn du Texter bist, wirst du tendenziell in wirtschaftlich schlechten Zeiten weniger Aufträge an Land ziehen können. Genau dann wird aller Voraussicht nach jedoch auch dein Depot niedrigen Wasserstand haben und im Minus sein. Wenn du in so einer Situation an dein Geld musst, ist das doppelt bitter, weil es während eines späteren Aufschwungs nicht mehr in deinem Depot sein wird.

Je konjunktursensibler deine Einnahmen sind, umso größer sollte deshalb dein Notgroschen sein.

Wie geht es dir damit? Hast du eine bessere Lösung gefunden, wie du den Überblick über deine Finanzen mit wenig Aufwand tracken kannst? Schreib es in die Kommentare unten. Ich bin immer interessiert, neue Möglichkeiten zu entdecken.

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